#SBPRG – von Saarbrücken nach Prag – Teil 1

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Ich weiß gar nicht mehr genau wie ich auf die Idee gekommen bin, ich könnte mit dem Rad nach Prag fahren. Vielleicht weil ich einfach mal was Neues, was nicht alltägliches erleben wollte, vielleicht um mir einfach zu beweisen, dass ich sowas auch kann.. Ich weiß es nicht mehr. Ich weiß nur noch: ich fing auf einmal an im Internet in Radreiseforen zu surfen, las Berichte über Radreisen, Brevets, die Ausrüstung, Light Bikepaking, Routenplanung, ging Gepäcklisten durch usw.

Das war so Mitte/Ende April. Da hatte ich das Ziel, im Sommer, wenn meine Freundin vier Wochen in Australien ist und ich allein zu Hause bin, auch was zu erleben.. und irgendwie kam ich dabei auf die Idee mit der Radreise. Relativ schnell stand dann Prag als Ziel fest. Ich war noch nie in Tschechien (würde dann also das Land „abhaken“ können) und Prag soll ja eh ganz schön sein. Zudem laut Google Maps nur etwa 650 – 750 km entfernt, also innerhalb von einer Woche zu erreichen. Am Anfang hielt ich mein Vorhaben noch inkognito, erzählte keinem davon und ich glaube ich sah mich auch noch nicht, dass ich das wirklich machen würde.

Je näher der Termin rückte (Mitte August sollte es losgehen), desto mehr Leuten erzählte ich von dem Vorhaben – obwohl ich noch nichts konkretes geplant hatte – der soziale Druck war also schon mal vorhanden, jetzt bräuchte ich entweder gute Ausreden oder ich würde wirklich nach Prag fahren.

Und zack! Fast-forward! Auf einmal war August, ich hatte mir mittlerweile eine Gepäckliste geschrieben und das Internet erfolgreich nach benötigten Utensilien durchforstet. Das Zeug (eigentlich nur eine große Satteltasche, Packsack und 2 Riemen) lag schon hier, ich hatte bereits erste (kleine) Testrunden damit gedreht. Bald konnte es losgehen, langsam sollte ich vielleicht die Route planen.

Ich wusste bereits, dass es von Saarbrücken bis Prag etwa 700 km sind. Höhenmeter eher vernachlässigbar. Ich hatte mir grobe Tagesziele rausgesucht: Sinsheim, Nürnberg, Plzen, Prag. Sollte also – entgegen der Ratschläge aus allen Radreiseforen und -blogs („MAAAXIMAL 80 km an einem Tag, alles andere ist der sichere Tod!“) – sportlich werden: 180, 200, 220, 100 km, vier Tage Radfahren, 2 Tage Prag, dann mit dem Bus wieder nach Hause.

Bis dahin bin ich noch nie mehr als 180 km an einem Tag mit dem Rad gefahren.. Und erst recht nicht mehrmals hintereinander. Aber ich war zuversichtlich.. hatte ja schließlich den ganzen Tag Zeit, da sollte ich schon ein paar Kilometer schaffen.

Bevor ich nach Prag aufbrechen würde, fand am Vortag noch der MTB Jugendtag im Saarland statt. Dort war ich als Trainer eingebunden. Der Tag war lang und ich hatte (natürlich) noch nichts vorbereitet für meinen Trip. Also alles am Vorabend noch irgendwie nach Packliste zusammengesucht, verstaut und die Taschen am Rad befestigt. Noch einmal schlafen und dann geht’s los. Optimale Vorbereitung ist sicher anders. Aber wird schon werden.

Das gesamte Gepäck. Auf das Minimum reduziert.
Das gesamte Gepäck. Auf das Minimum reduziert.
Das fertig gepackte Rad am Vorabend.
Das fertig gepackte Rad am Vorabend.

Etappe 1: Saarbrücken – Sinsheim (180 km)

Ich wollte natürlich so früh es geht aufbrechen damit ich in keine Zeitnot komme und abends auf einmal ohne Unterkunft dastehe. Wie das aber immer so ist.. bis ich auf dem Rad saß war es bereits halb 11 – fängt ja eher nicht so gut an. Geplant war in Deutschland in Pensionen/Gasthöfen zu übernachten und in Tschechien Couchsurfing auszuprobieren. Reserviert hatte ich nix – man weiß ja nie was unterwegs passiert.  Das Wetter war traumhaft, die ersten Kilometer rollten super, es gab keine Probleme mit der Navigation. Lediglich irgendwo um Landstuhl herum fiel mir auf, dass meine Satteltasche irgendwie mehr rumschlenkert als vorher. Muss sich bestimmt durch das Gewicht etwas gelockert haben.. zieh ich bei Gelegenheit mal nach, dachte ich noch.

Kurz vor Kaiserslautern war dann Gelegenheit mal nachzuziehen. Stellte sich allerdings heraus, dass es nichts mehr zum nachziehen gab. Die Befestigung war gerissen, na toll. Noch keine 50 km unterwegs. In Saarbrücken hatte ich schon mein Frontlicht verloren. Stimmung war gerade eher nicht so. Kurz überlegte ich einfach in den Zug zu steigen und wieder nach Hause zu fahren.

Nach der Gepäck-Umstrukturierung.
Nach der Gepäck-Umstrukturierung.

Ich entschied mich dann aber doch gepäckmäßig zu improvisieren und weiter zu fahren. Den Packsack hab ich mit Hilfe eines Riemens an der Satteltasche befestigt. Die Satteltasche mit Hilfe des anderen Riemens am Sattel. Kurzer Check: wackelt weniger als vorher, sollte halten. Weiter gings.

 

Die Strecke durch den Pfälzer Wald verlief problemlos. Es ist der Wahnsinn wie gut man dort Radfahren kann. Gegen frühen Nachmittag bin ich dann in Neustadt an der Weinstraße angelangt, am Ortsausgang halte ich kurz an um ein paar Schnappschüsse zu machen, dann sitze ich auch schon wieder auf dem Rad. Überall sind Sprenkleranlagen in Betrieb die sowohl die Felder, als auch die Radwege befeuchten. Die kurze Abkühlung nehme ich jedes mal mit Freude mit. Es geht weiter Richtung Speyer. Tellerflach, aber auf super Radwegen. Die Beschilderung ist 1a. In Speyer hab ich kurze Probleme mit der Navigation, beschließe dann erst mal zum Dom zu fahren und mich dort neu zu orientieren.

Kurz hinter Neustadt a.d.W.
Kurz hinter Neustadt a.d.W.

Am Dom angelangt beschließe ich den Tag langsam zu beenden. Sinsheim ist noch etwa 40 km entfernt, also nicht mehr ganz zwei Stunden. Ich reservier mir dort ein Zimmer, nach neu gefundener Orientierung geht’s wieder aufs Rad und am frühen Abend erreiche ich mein erstes Tagesziel. Zwischendurch gibt’s noch einmal kurz nen hohen Puls weil der Garmin einfach abstürzt und die Tour nach ~ 170 km für beendet erklärt, aber sonst läuft alles glatt. Bis auf das Pech mit dem Material lief der erste Tag durchaus zufriedenstellend.

Die Etappe auf Strava:
#SBPRG 1.1
#SBPRG 1.2

 

Etappe 2: Sinsheim – Nürnberg Rothenburg ob der Tauber (185 km)

Die Nacht war gut, das Frühstück war gut, das Wetter ist gut – um halb 9 sitze ich schon auf dem Rad und mache mich auf den Weg nach Nürnberg. Erstes Ziel ist heute jedoch Heilbronn. Bis dorthin sind es etwa 35 km. Nach 25 km beschließt mein Freund R2D2 sich wieder kurz zu verabschieden, dieses mal jedoch wenigstens ohne Datenverlust. Kurz drüber geärgert, dann gings aber auch schon wieder weiter. Heilbronn erreiche ich problemlos, hier fällt mir die Orientierung wieder etwas schwer. Da ich von hier aus auf dem Paneuropa-Radweg (Paris – Prag) weiterfahren möchte und kein Kartenmaterial gefunden habe, beschließe ich zur Touristeninformation zu fahren und mir dort Infos zu holen. Leider gibt es dort keine Infos zum Paneuropa-Radweg. Die freundliche Dame googelte allerdings kurz für mich, gab mir dann eine andere Karte und erklärte mir, wie ich auf den Radweg Richtung Rothenburg ob der Tauber gelange. Als ich den dann endlich gefunden hatte, durfte ich mit Freude feststellen, dass der Radweg Teil des Paneuropa-Radwegs ist und selbiger auch ausgeschildert ist. Läuft heute.

In Heilbronn weiß man wie man gut lebt.
In Heilbronn weiß man wie man gut lebt.

Zwischendurch halte ich ab und zu mal an um meine Flaschen an Brunnen/Quellen aufzufüllen, ein paar Äpfel zu pflücken, aber sonst verläuft der Tag recht unspektakulär. Nur irgendwie komm ich nicht so richtig voran. Bis Nürnberg sollten es ca. 200 km sein, ich habe mich nicht nennenswert verfahren, bin aber gerade erst 100 km weit gekommen und bin noch nichtmal in der Nähe von Rothenburg ob der Tauber, welches laut Google aber kurz nach der Hälfte der Distanz erreicht werden sollte. Oh Oh.
Nächste größere Stadt ist Schwäbisch-Hall (auf diese Steine, können Sie bauen,…) dort suche und finde ich wieder den Weg zur Touristeninformation und die kompetente und freundliche Dame konnte dann auch etwas Licht ins dunkel bringen: wegen dem Hochwasser im Mai sind Teile des Paneuropa-Radwegs gesperrt bzw. wurden umgeleitet. Anstatt am Fluss entlang zu fahren, fahre ich immer große Bögen. Scheisse. Wenigstens hab ich hier Kartenmaterial erhalten, aber auch die Info, dass es von Schwäbisch Hall bis Rothenburg ob der Tauber noch 60 km und bis Nürnberg gar noch 130 km sind. Keine so tolle Info, am Nachmittag, mit schon ~ 120 km im Sattel. Ich beschließe hier mein Tagesziel zu ändern. Rothenburg ob der Tauber soll es sein. Wenigstens ab diesem Zeitpunkt läuft wieder alles gut und ich erreiche etwa gegen 19 Uhr Rothenburg. Das war ein langer Tag und ich bin nun gute 70 km hinter meinem Plan. Wenigstens finde ich schnell eine Unterkunft und kann dort meine weitere Route planen. Das Ziel, es in vier Tagen nach Prag zu schaffen, möchte ich trotz dem eher suboptimalen Tag nicht aufgeben. Das bedeutet aber auch, dass ich definitiv noch zwei laange Tage auf dem Rad verbringen werde und nicht – wie vorher geplant – am letzten Tag locker am frühen Nachmittag in Prag einrolle. Scheiss Ehrgeiz.

Die Etappe auf Strava:
#SBPRG 2.1
#SBPRG 2.2

kurze Apfelpause.
Kurze Apfelpause, irgendwo in Baden-Württemberg.

 

Wie es weiterging, folgt im nächsten Blogpost.

Sieg beim Saarschleifen Bike Marathon

sbm_sieg_BeitragsbildAm Wochenende fand in Orscholz der 12. Saarschleifen Bike Marathon statt. Dieser gehört auf jeden Fall zu meinen Lieblingsrennen im Kalender. Die Strecke ist schnell, technisch fordernd, hat zudem ein paar Höhenmeter zu bieten, das Ambiente am Cloef ist einladend und die Organisation erstklassig!
Man merkt einfach, dass hier ein Rennen von Mountainbikern für Mountainbiker organisiert wird.

Ich war für die Kurzstrecke mit 30 km und 650 hm gemeldet. Platz 5 in 2015, also auch Startnummer 5. Schlechter wollte ich heute auf keinen Fall abschneiden.

Kurz vorm Start reihte ich mich im Lizenzblock (super Organisation!!) ein. Ich wusste dass der Start – wie immer – hektisch verlaufen würde und wollte mich daher bereits auf den ersten Kilometern an der Spitze einreihen um den Anschluss an die Führungsgruppe nicht zu verlieren und eventuelle frühe Attacken kontern zu können. Das hat auch super geklappt, nach ca. einem Kilometer befand ich mich an der Spitze des Feldes und konnte mein Tempo über die ersten Hügel fahren. Es gab ein paar Tempoverschärfungen, die aber schnell wieder neutralisiert wurden.
Mein nächstes Ziel war, das hatte ich in den Jahren zuvor versäumt – als einer der ersten in die lange Abfahrt zu gehen und damit keine langsamen Abfahrer vor mir zu haben. Auch das hat geklappt. Wir fuhren  zu viert mit einem Vorsprung von ein paar Metern in den Trail hinein und kamen unten zu dritt, mit einem Vorsprung von vielleicht 150 m, wieder raus.
Es folgte dann das lange Flachstück an der Saar entlang, dort schafften es unsere Verfolger wieder Anschluss zu finden, so dass wir – am tiefsten Punkt der Strecke angelangt – wieder etwa 10 Mann in der Spitzengruppe waren.
Damit hatte ich nicht gerechnet. Da auch Fahrer dabei waren mit denen ich an dieser Stelle des Rennens nicht mehr in der Spitzengruppe gerechnet hatte, wurde ich nun etwas nervös. Zudem beschäftigte mich mein Hinterreifen.. der schien irgendwie Luft verloren zu haben oder noch zu verlieren!?

Wir passierten die Brücke über die Saar, sowie  die erste Verpflegungsstation und kamen schließlich zum ersten „richtigen“ Anstieg. Keiner wollte vorfahren, also legte ich eine Schippe drauf und fuhr mein Tempo den Berg hoch. Zacharias Zschenderlein forcierte weiter, ich zog mit – (fast) alle anderen auch. Bis zur Kuppe hatten Zacharias und ich eine Lücke von 10 m, es ging in eine kleine Abfahrt, ich drückte weiter aufs Gas, konnte mich aber wieder nicht entscheidend absetzen. Es folgte eine Attacke von David Bertram, ich ging mit, blickte mich um: immer noch sieben Leute. Langsam überlegte ich mir, was ich im Falle eines Schlusssprints machen würde.. es waren immerhin schon 21 Kilometer gefahren.

Wir kamen Richtung VP2 in Mettlach. In der Abfahrt bis dorthin konnten wir uns noch zweier Mitstreiter entledigen. Nach einem weiteren Flachstück an der Saar entlang, gingen wir den langen Schlussanstieg (7 km, 200 hm) also zu fünft an.

Zacharias machte etwas Tempo im flachen, dann kam die kurze Schiebepassage nach der Staustufe, gefolgt von der Bitburger Steige. Auch dort: alle fünf noch zusammen. Ich wurde langsam RICHTIG nervös, setzte mich an die Spitze, konnte mich aber nicht absetzen. Ich fuhr als erster in einen flachen, engen Trail. Beim rausfahren bemerkte ich, dass ich ca. 20 m Lücke hatte. Ich gab also Gas und hoffte, getreu dem Motto „aus den Augen, aus dem Sinn“ die anderen vier endgültig abschütteln zu können.

Nach etwa zwei Minuten traute ich mich zum ersten Mal nach hinten zu schauen, nur um festzustellen, dass ich keinen Meter gewonnen hatte.. aber auch keinen verloren, immerhin.

Es waren noch ca. vier Kilometer bis zum Ziel, die anderen zu viert, ich alleine vorne. Kurz überlegte ich, mich zurückfallen und es auf einen Sprint ankommen zu lassen. Ich entschied mich anders. Ich fuhr einfach mein Tempo und immer wenn es ging noch einen Tick schneller und hoffte, dass ich mich doch noch absetzen konnte.

Immer wenn ich mich umblickte: noch jemand hinter mir, der Abstand wurde gaaaanz langsam etwas größer. Die Gruppe schien es jedenfalls schonmal zerrissen zu haben. Es folgte der letzte Trail vorm Ziel, ich lies es nochmal gut laufen und riskierte, unten angekommen, wieder einen Blick züruck: soweit niemand mehr da. Von hier war es noch ca. 1 Kilometer bis ins Ziel, ich glaubte zum ersten Mal, dass es jetzt reichen kann, aber sicher war ich mir immer noch nicht. Also gab ich auf dem letzten Flachstück und dem anschließenden Stück bergan nochmal Vollgas, blickte nochmal nach hinten und dann endlich die Erlösung: 150 m hinter mir war niemand mehr zu sehen.
Es ging nun in den Start-/Zielbereich, noch ein paar Kurven und eine Holzbrücke, ich wurde schonmal vom Sprecher angekündigt, Start-/Zielgerade, bisschen jubeln: geschafft!

Gesamtsieg auf der Kurzdistanz, geiles Ding!
Und die Luft im Reifen hielt auch 😉

Ergebnisse
Das Rennen auf Strava:
Gesamtsieg Saarschleife Kurzstrecke