#SBPRG Teil 2

 

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Nachdem der zweite Tag meiner Tour von Saarbrücken nach Prag eher suboptimal gelaufen ist, habe ich – nach einem Döner am Abend – die weitere Route über den Paneuropa-Radweg  abgecheckt. Neues Ziel sollte Eslarn, kurz vor der tschechischen Grenze, sein. Bis dahin sollten es über den Radweg noch 280 km sein – und anschließend nochmals 240 km bis nach Prag.
Damit blieben mir für die nächsten zwei Tage (laut Paneuropa-Radweg) noch gute 520 km. Auf jeden Fall ein strammes Vorhaben für zwei Tage. Ich muss zugeben, das sah ich mich nicht abspulen. Also checkte ich die Route noch mit Google aus. Das sollten etwa 210 km bis nach Eslarn sein. Für Tschechien wurde mir leider keine Radroute angezeigt, naja, immerhin schonmal 70 km weniger.
Da ich gerne zwei Tage in Prag verbringen wollte und ich einen Platz im Bus für Sonntag Abends gebucht hatte, wollte ich alles versuchen, um es doch noch in vier Tagen zu schaffen.

Also die Route von Google auf einen Spickzettel geschrieben, den aufs Oberrohr geklebt und gehofft, dass das für den nächsten Tag so passen wird.

 

Etappe 3: Rothenburg ob der Tauber – Eslarn (215 km)

Was soll ich sagen? An dem Tag sollte ich das erste Mal > 200 km auf dem Rad an einem Tag zurücklegen. Ich war heiß. Ich wollte mein Ziel erreichen. Also startete ich nach einem kleinem Frühstück um 8:15 Uhr auf dem Marktplatz in Rothenburg ob der Tauber. Am Anfang hieß es grob: immer der Sonne entgegen. Dank meinem Spickzettel und der Topografie in Bayern lief es auch wie am Schnürchen. Das Wetter war ebenfalls spitzenklasse.
Nach etwa 70 km erreichte ich Nürnberg – hier erwarteten mich wieder die bereits bekannten Navigationsprobleme innerhalb der Städte – doch auch das sollte heute (relativ) gut klappen.

Bayern ist wirklich traumhaft um mit dem Rad zu fahren. Die Radwege (meistens) 1a geteert, super ausgeschildert und in den Dörfern (fast) immer Brunnen mit Trinkwasser.. es lief wirklich zum ersten Mal ohne Probleme.

Links: kurze Mittagspause in Sulzbach-Rosenberg. Rechts: Gravel in Bayern.
Links: kurze Mittagspause in Sulzbach-Rosenberg. Rechts: Gravel in Bayern.

Klar, wurde ich irgendwann etwas müde, mein Hintern tat weh, aber ich hatte ja noch die magische 200 km Grenze vor mir – ich war motiviert bis in die Haarspitzen. Kleine Verfahrer blieben nicht aus, doch am Schluss des Tages hatte ich nur 5 km mehr auf dem Garmin als von Google vorausgesagt. Die Unterkunft des Tages war ebenfalls spitze und die Pizza am Abend auch. Alles in allem ein super Tag.

Jetzt hatte ich Prag im Visier!

Die Etappe auf Strava:
#SBPRG 3

 

Etappe 4: Eslarn – Prag (245 km)

Nachdem die dritte Etappe so richtig gut gelaufen ist, war ich natürlich zuversichtlich, dass ich heute noch Prag erreichen würde. Da ich Google leider keine Radroute entlocken konnte, war mein Plan einfach dem Paneuropa-Radweg (240 km) zu folgen. Ich kam an dem Tag schon um 7:30 aufs Rad, wohlwissend dass mir ein langer Tag bevorstehen würde.
Bis zur Grenze verlief alles problemlos, naja.. mein Hintern tat zum ersten Mal bereits morgens weh.. und meine Beine auch, aber jammern macht es ja auch nicht besser.

grenze
Bis zur Grenze lief es noch gut.

In Tschechien wurden die guten bayrischen Radwege auf einmal zu schweren Cross-Strecken oder leichten MTB-Strecken – je nach Sichtweise. Nicht gerade optimal wenn man noch > 200 km vor sich hat. Ich konzentrierte mich darauf den Schnitt bei etwa 24 km/h zu halten.. also 10 h Fahrzeit.

Nach ca. 50 km sah ich ein Straßenschild, welches Plzen – mein Zwischenziel für den Tag – mit 30 km auswies, im Gegensatz zu 50 km laut Radwegsschild. Kurz nachgerechnet, dachte ich, dass sei ein bombensicherer Plan jetzt auf die Straße auszuweichen und damit 20 km zu sparen. Leider musste ich feststellen, dass die Beschilderung nicht so ganz gut ist in Tschechien. Irgendwann war Plzen dann gar nicht mehr ausgeschildert. Shit.
Mit 0 Worten tschechisch, hab ich es dennoch geschafft zwei Frauen, mit einem Mix aus Deutsch und Englisch, nach dem Weg zu fragen. Leider konnten sie mir aber auch sagen, dass es noch etwa 35 km bis Plzen sind.. doof, dass ich schon 70 km auf dem Garmin hatte zu dem Zeitpunkt.
Gegen Mittag hab ich dann aber tatsächlich Plzen erreicht, mit bereits 110 km, statt den 100 km, die es laut Paneuropa-Radweg sein sollten. Selbst Schuld. Ab jetzt folge ich dem Radweg – nahm ich mir vor.

Nachdem ich Geld gewechselt hatte, suchte ich Radweg Nr. 3, der mich nach Prag führen sollte. Bevor ich allerdings blind dem Radweg folge, frage ich nochmal einen Passanten, ob ich hier richtig bin. Er bejaht – Gott sei dank!

Froh den richtigen Weg eingeschlagen zu haben, spule ich also die nächsten 10 km ab. Bisher waren die böhmischen Dörfer durch die ich gefahren bin für mich genau solche – böhmische Dörfer. Ich hab es nicht geschafft mir einen Ortsnamen länger als ca. 30 Sekunden zu behalten. Auf einmal kommen mir die Ortsnamen auf den Straßenschildern wieder bekannt vor.. naja, heißt eh alles gleich hier. Nach ca. 15 km beschließe ich dann, doch mal einen Blick auf meine Reise-Unterlagen zu werfen.. FUCK!! 15 km in die falsche Richtung gefahren. Seltsamerweise bin ich aber in dem Moment gar nicht wütend, sauer oder sonst was. Ich drehe einfach um und denke „immerhin bin ich jetzt auf dem richtigen Weg, in die richtige Richtung“. Ich komme wieder nach Plzen, folge dem Radweg Nr. 3 und auf einmal.. keine Schilder mehr. Das darf doch nicht wahr sein. Ich schließe zu zwei Radfahrern auf, frage nach dem Weg, sie nehmen mich ein Stück mit und bringen mich wieder auf den richtigen Weg. Puh, das ging nochmal gut. Jetzt wurden langsam meine Nahrungsmittel knapp, also beschließe an der nächsten Gelegenheit anzuhalten und Nachschub zu kaufen.
Gesagt, getan. Ein kleiner Dorfladen soll es sein. Ich setze mich in die nachmittägliche Sonne, trinke und esse was, befülle wieder meine Flaschen und schaue nochmal über die Route. Nach dem ganzen hin und her bin ich verunsichert. Ich beschließe die Frau in dem Laden nach dem Weg zu fragen. Ihr Englisch ist schlecht und mein Tschechisch nicht vorhanden, trotzdem kann sie mir versichern, dass wenn ich den Radweg-Schildern folge, ich wieder nach Plzen gelange. DAS KANN DOCH NICHT SEIN! HABEN DIE ETWA ZU VIEL PILS GETRUNKEN BEIM AUSSCHILDERN!!?

Naja, die Dame versichert mir, dass es von hier über die Landstraße bis nach Prag quasi nur noch geradeaus geht und es ca. 80 km sind. Das beruhigt mich etwas. Zu dem Zeitpunkt habe ich bereits etwas mehr als 160 km auf dem Garmin.
Ich folge also dem Rat der Dame und fahre auf die Landstraße.. zu dem Zeitpunkt kann ich gar nicht sagen ob meine Beine oder mein Hintern mehr brennen. Ich trete eigentlich nur noch im flachen, bergauf fahre ich Wiegetritt und bergab lasse ich rollen. Aus meinen Beinen kommt nichts mehr. Ich kann kaum noch sitzen. Irgendwann seh ich zum ersten mal Prag auf einem Schild. Das motiviert mich wieder. Dann zum ersten Mal Prag mit Kilometerangabe (60 km). Dann immer weitere Schilder: Prag mit sinkenden Kilometerangaben – und schließlich gegen 19:00 Uhr ist es tatsächlich soweit: ich rolle mit dem Rad nach Prag hinein. Ich bin einfach nur erleichtert. Zu erschöpft um mich richtig freuen zu können. Ich habs geschafft.

karlsbr
Am Ziel angekommen: nach 800 km gibts das Finisherfoto vor der berühmten Karlsbrücke in Prag.


Die Etappe auf Strava:
#SBPRG 4

 

So richtig realisiert, dass ich tatsächlich von meiner Haustür aus, 700 800 km bis nach Prag mit dem Rad gefahren bin, hab ich eigentlich erst, als ich ein paar Tage später auf Strava die Heatmap aktualisiere und dort eine durchgehende blaue Linie von Saarbrücken bis nach Prag erscheint. Krass. Die ganze Strecke bin ich innerhalb von vier Tagen mit dem Rad gefahren.

Ich hatte wahnsinniges Glück mit dem Wetter, etwas Pech mit dem Material und leichte Schwierigkeiten mit der Navigation. Dennoch hat schlussendlich alles geklappt und ich bin in Prag angekommen.
Man erlebt eine solche Reise (natürlich!) ganz anders als wenn man einfach ins Auto steigt, zum Flughafen fährt, ins Flugzeug steigt und nach zwei Stunden tausend Kilometer entfernt wieder aussteigt. Man bekommt ein ganz anderes Bewusstsein für die Distanz. Noch extremer ist das sicherlich, wenn man zu Fuß unterwegs ist. Schließlich sind durchschnittlich 200 km am Tag immer noch relativ viel. Zu Fuß schafft man vielleicht die Hälfte oder gar nur ein Viertel.
Ich bin jedenfalls froh, diese Erfahrung gemacht zu haben, es war eine große Abwechslung zu dem durchgetakteten Training, dass ich sonst mache und es hat definitiv Spaß gemacht, auch wenn es auf der Reise Momente gab, die nicht sehr schön waren.

Ob ich wieder so eine Tour machen würde? Genau so eine Tour glaube ich nicht.. aber vielleicht mal eine mit Zelt und Schlafsack.. oder eine mit weniger Tageskilometern, um mehr Eindrücke sammeln zu können. Irgendwann such ich mir bestimmt wieder ein Ziel raus und fahre mit dem Rad an meiner Haustür los an einen Ort, an dem ich noch nie mit dem Rad war.

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