Archiv der Kategorie: Rennen

Rapha: Words on the Street

Egal bei welchem Rennen, egal wie lange oder kurz es Berg-Auf geht: im Radsport ist es Tradition die Anstiege mit Anfeuerungen und den Namen der Fahrer zu bemalen.
Aus persönlicher Erfahrung (z.B. an der „Alpe de Fiddelbrugg“ in Kirchzarten) weiß ich, dass man das nicht immer wahrnimmt. Kommt eben darauf an wie sehr man schon über Kreuz schaut wenn man am Anstieg ist. Was ich mich aber – und da scheine ich nicht der einzige zu sein – schon öfters gefragt habe ist, wie das bei den Profis bei den Grand Tours ist.
Genau dieser Frage ging Rapha in ihrem Rapha Mondial-Artikel nach.

 

Painting the roads of the climbs has long been a part of cycling culture, but do professional racers notice the messages of encouragement written by fans?

 

David Millar gab zu Protokoll, dass die Straßen-Graffitis für ihn einen „mini ego-boost“ gaben – vorausgesetzt man nimmt sie noch wahr, wenn man vom Peloton bereits abgehängt wurde und am kämpfen ist.

Für Ian Boswellt, Team Katusha, dienen die Anfeuerungen ebenfalls als Motivation: in seinen Jugendjahren träumte er davon irgendwann selbst einmal als Profi die bunt bemalten Pässe in den Alpen hochzujagen. Ziel erreicht, würd ich sagen.
Eine Anfeuerung blieb ihm bis dato besonders in Erinnerung: als seine Mutter bei der Tour of California „Go Boz“ mit Kreide („she’s not a vandal“ 😉 ) auf die Straße gemalt hatte. Für ihn eine schöne Erinnerung daran, welchen Support er durch Freunde und Familie erfährt.

Für Lachlan Morton, Team Dimension Data, schließlich kommt es darauf an, was für einen Tag er aktuell erlebt ob er die Anfeuerungen gut findet oder nicht. Fährt er in einer Ausreisser-Gruppe vorne weg, so gibt ihm das zusätzliches Selbstvertrauen. Im Peloton, sagt er, kriegt man es gar nicht immer mit, wenn sein Name auf der Straße steht. Hängt man hingegen im Gruppetto, ist es für Lachlan das letzte was er dann noch sehen möchte, da er dann das Gefühl hat, seine Unterstützer hängen zu lassen…

Es zeigt sich, Profis nehmen die Graffitis anscheinend genauso viel oder wenig wahr wie wir Hobbyfahrer… sie haben vermutlich nur etwas weniger Zeit um die z.T. schönen Gemälde zu bewundern 😉

Fotos: Rapha

Cyclocross WM Valkenburg

Am vergangenen Wochenende fand in Valkenburg in der Provinz Limburg in den Niederlanden die Cyclocross WM 2018 statt. An zwei Tagen wurden in insgesamt fünf Rennen die Weltmeister(innen) für das Jahr 2018 gesucht.

Höhepunkt sollte das Rennen der Männer mit dem „Showdown“ zwischen Wout van Aert und Matthieu van der Poel werden, welches im Endeffekt aber leider zu einem Solo-Ritt von Wout van Aert wurde. Dennoch war das gesamte Wochenende mit reichlich Frittjes, Bier, Schnee und Matsch gelungen.

Cyclocross genießt in BeNeLux einen ganz anderen Stellenwert als in Deutschland. Das wird vor allem deutlich, wenn man die Zuschauerzahlen betrachtet: 38.000 Menschen fanden an dem Wochenende den Weg nach Valkenburg. Die Stimmung war ausgelassen, aber sehr angenehm. In den Festzelten zwischen den Rennen fühlte man sich eher wie im Karneval – definitiv etwas, was man selbst mal erleben sollte.

Bis auf die Elite Rennen können alle anderen Rennen auf dem YouTube-Kanal der UCI nochmal in ganzer Länge angeschaut werden:

Sieg beim Saarschleifen Bike Marathon

sbm_sieg_BeitragsbildAm Wochenende fand in Orscholz der 12. Saarschleifen Bike Marathon statt. Dieser gehört auf jeden Fall zu meinen Lieblingsrennen im Kalender. Die Strecke ist schnell, technisch fordernd, hat zudem ein paar Höhenmeter zu bieten, das Ambiente am Cloef ist einladend und die Organisation erstklassig!
Man merkt einfach, dass hier ein Rennen von Mountainbikern für Mountainbiker organisiert wird.

Ich war für die Kurzstrecke mit 30 km und 650 hm gemeldet. Platz 5 in 2015, also auch Startnummer 5. Schlechter wollte ich heute auf keinen Fall abschneiden.

Kurz vorm Start reihte ich mich im Lizenzblock (super Organisation!!) ein. Ich wusste dass der Start – wie immer – hektisch verlaufen würde und wollte mich daher bereits auf den ersten Kilometern an der Spitze einreihen um den Anschluss an die Führungsgruppe nicht zu verlieren und eventuelle frühe Attacken kontern zu können. Das hat auch super geklappt, nach ca. einem Kilometer befand ich mich an der Spitze des Feldes und konnte mein Tempo über die ersten Hügel fahren. Es gab ein paar Tempoverschärfungen, die aber schnell wieder neutralisiert wurden.
Mein nächstes Ziel war, das hatte ich in den Jahren zuvor versäumt – als einer der ersten in die lange Abfahrt zu gehen und damit keine langsamen Abfahrer vor mir zu haben. Auch das hat geklappt. Wir fuhren  zu viert mit einem Vorsprung von ein paar Metern in den Trail hinein und kamen unten zu dritt, mit einem Vorsprung von vielleicht 150 m, wieder raus.
Es folgte dann das lange Flachstück an der Saar entlang, dort schafften es unsere Verfolger wieder Anschluss zu finden, so dass wir – am tiefsten Punkt der Strecke angelangt – wieder etwa 10 Mann in der Spitzengruppe waren.
Damit hatte ich nicht gerechnet. Da auch Fahrer dabei waren mit denen ich an dieser Stelle des Rennens nicht mehr in der Spitzengruppe gerechnet hatte, wurde ich nun etwas nervös. Zudem beschäftigte mich mein Hinterreifen.. der schien irgendwie Luft verloren zu haben oder noch zu verlieren!?

Wir passierten die Brücke über die Saar, sowie  die erste Verpflegungsstation und kamen schließlich zum ersten „richtigen“ Anstieg. Keiner wollte vorfahren, also legte ich eine Schippe drauf und fuhr mein Tempo den Berg hoch. Zacharias Zschenderlein forcierte weiter, ich zog mit – (fast) alle anderen auch. Bis zur Kuppe hatten Zacharias und ich eine Lücke von 10 m, es ging in eine kleine Abfahrt, ich drückte weiter aufs Gas, konnte mich aber wieder nicht entscheidend absetzen. Es folgte eine Attacke von David Bertram, ich ging mit, blickte mich um: immer noch sieben Leute. Langsam überlegte ich mir, was ich im Falle eines Schlusssprints machen würde.. es waren immerhin schon 21 Kilometer gefahren.

Wir kamen Richtung VP2 in Mettlach. In der Abfahrt bis dorthin konnten wir uns noch zweier Mitstreiter entledigen. Nach einem weiteren Flachstück an der Saar entlang, gingen wir den langen Schlussanstieg (7 km, 200 hm) also zu fünft an.

Zacharias machte etwas Tempo im flachen, dann kam die kurze Schiebepassage nach der Staustufe, gefolgt von der Bitburger Steige. Auch dort: alle fünf noch zusammen. Ich wurde langsam RICHTIG nervös, setzte mich an die Spitze, konnte mich aber nicht absetzen. Ich fuhr als erster in einen flachen, engen Trail. Beim rausfahren bemerkte ich, dass ich ca. 20 m Lücke hatte. Ich gab also Gas und hoffte, getreu dem Motto „aus den Augen, aus dem Sinn“ die anderen vier endgültig abschütteln zu können.

Nach etwa zwei Minuten traute ich mich zum ersten Mal nach hinten zu schauen, nur um festzustellen, dass ich keinen Meter gewonnen hatte.. aber auch keinen verloren, immerhin.

Es waren noch ca. vier Kilometer bis zum Ziel, die anderen zu viert, ich alleine vorne. Kurz überlegte ich, mich zurückfallen und es auf einen Sprint ankommen zu lassen. Ich entschied mich anders. Ich fuhr einfach mein Tempo und immer wenn es ging noch einen Tick schneller und hoffte, dass ich mich doch noch absetzen konnte.

Immer wenn ich mich umblickte: noch jemand hinter mir, der Abstand wurde gaaaanz langsam etwas größer. Die Gruppe schien es jedenfalls schonmal zerrissen zu haben. Es folgte der letzte Trail vorm Ziel, ich lies es nochmal gut laufen und riskierte, unten angekommen, wieder einen Blick züruck: soweit niemand mehr da. Von hier war es noch ca. 1 Kilometer bis ins Ziel, ich glaubte zum ersten Mal, dass es jetzt reichen kann, aber sicher war ich mir immer noch nicht. Also gab ich auf dem letzten Flachstück und dem anschließenden Stück bergan nochmal Vollgas, blickte nochmal nach hinten und dann endlich die Erlösung: 150 m hinter mir war niemand mehr zu sehen.
Es ging nun in den Start-/Zielbereich, noch ein paar Kurven und eine Holzbrücke, ich wurde schonmal vom Sprecher angekündigt, Start-/Zielgerade, bisschen jubeln: geschafft!

Gesamtsieg auf der Kurzdistanz, geiles Ding!
Und die Luft im Reifen hielt auch 😉

Ergebnisse
Das Rennen auf Strava:
Gesamtsieg Saarschleife Kurzstrecke